French Mission
French Mission bezeichnet eine Population von Bourbon-Arabica, die von Pflanzen abstammt, die im 18. Jahrhundert von Jemen auf die Insel Réunion – damals Île Bourbon – gelangten. Die entscheidenden Einführungen fanden 1715 und 1718 statt; nur ein Teil der eingeführten Pflanzen konnte sich auf der Insel etablieren. Über mehr als ein Jahrhundert blieb diese Population weitgehend auf Réunion beschränkt.

Bourbon-Pflanze auf Réunion, 2025
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gelangten Pflanzen und Samen aus Réunion über französische Missionen nach Ostafrika. Besonders wichtig waren die Missionen der Holy Ghost Fathers: 1841 entstand eine Mission auf Réunion, 1859 eine weitere in Sansibar und 1862 eine Station in Bagamoyo im heutigen Tansania. Von dort gelangte das Pflanzenmaterial unter anderem in die Kaffeeanbaugebiete am Kilimandscharo. Auch die Mission in Bura im heutigen Kenia erhielt später Bourbon-Pflanzen; von dort gelangten Setzlinge 1899 nach St. Austin bei Nairobi und anschließend zu weiteren Kaffeepflanzern im kenianischen Hochland.
Diese Populationen bildeten einen wichtigen Ausgangspunkt für die spätere Selektion und Züchtung ostafrikanischer Arabica-Varietäten. Ab den 1930er-Jahren wurden unter anderem in der Forschungsstation Lyamungu bei Moshi systematische Massenselektionen durchgeführt. Auch bedeutende Varietäten der kenianischen SL-Serie, darunter SL28 und SL34, gehen auf dieses ostafrikanische Bourbon-Material zurück.
Genetische Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass die ostafrikanischen Bourbon-Abstammungslinien eng mit historischen indischen Varietäten wie Coorg und Kent verwandt sind. Das unterstützt die Annahme, dass frühe Kaffeepopulationen, die im 17. Jahrhundert von Jemen nach Indien gelangten, bereits unterschiedliche genetische Linien enthielten. Die genaue Entstehung und Trennung der späteren Bourbon- und Typica-Gruppen ist jedoch komplex und lässt sich nicht eindeutig auf eine einzelne Einführung oder Abspaltung zurückführen.